Unser alter Golf

Oder: Was ich nicht weiß, macht mich nicht … 

Im September 1994  

tingelten mein Mann und ich vier Wochen mit Rucksack und Gitarre durch Griechenland.

Unsere Wohnung wurde in dieser Zeit von einer autolosen Kommilitonin gehütet, die im Gegenzug unser Auto  (ein merlotfarbener, rostfreier Golf 1!) nutzen durfte, mit dem sie uns auch vom Flughafen abholen sollte.

Tiefenentspannt und tiefengebräunt wurden wir nach vier komplett medienfreien Wochen am Flughafen von einem Freund überrascht. Wo war unsere Haus- und Autositterin?

Die Erklärung kam auf der Rückfahrt begleitet von einem weltweiten Gesellschaftsupdate.

Erinnern kann ich mich nur noch an drei Meldungen: Unser Golf hatte einen Motorschaden erlitten und unsere studentische Geldschatulle gähnte uns gedankenleer entgegen! In der Stadt Surat im Westen Indiens war die Pest ausgebrochen und die Welt in panischer Pandemieerwartung! Und die ‚MS Estonia‘ mit mehr als 800 Toten in der Nordsee gesunken, der Grund des Sinkens unklar, so dass Schrecken und Trauer Europa lähmte!

Was für ein krasser Szenenwechsel…

Wir hatten noch griechischen Sand in den Schuhen und Restrezina im Blut und waren innerhalb kürzester Zeit im „Die-Welt-hat-uns-wieder-(Schreckens-)Modus“.

Eine der zentralen Fähigkeiten resilienter Menschen ist die Differenzierung zwischen dem „locus of influence“: Wo habe und kann ich persönlichen Einfluss nehmen? Und dem „locus of consciousness“: Wovon bin ich betroffen, habe aber keinerlei Einfluss?

Resiliente Menschen setzen ihre Energie lösungsorientiert und hoffnungsoptimistisch ein.

Sie konzentrieren sich auf alles worauf Sie persönlich Einfluss nehmen können. Sie grenzen sich bewusst von Destruktivem, wo sie keinen Einfluss haben, sowohl gedanklich als auch praktisch ab.

Wir haben uns damals auf die Reparatur unseres Golfs fokussiert!

Ach, und wenige Monate später stellten wir zudem fest, dass wir Eltern werden würden 🙂