Ordnung ist das ganze Leben.

Für diese Woche habe ich mir das Aufräumen meiner digitalen Akten vorgenommen. Man verliert so leicht den Überblick in unserer Dokumentenflut ohne klare Ordnerstruktur.

Meine erste bewusste Erinnerung zum Thema Ordnung, datiere ich auf das Jahr 1975 im Alter von sieben Jahren. Wie in den 1970er Jahren üblich war ich stolze Besitzerin eines weißen Schreibtisches mit zwei roten Schubladen. Diese Schubladen waren von hoher Bedeutung, boten sie doch Raum für alle meine kreativen Projekte und das dazugehörige Material. Dieses wurde von mir in selbigen nach einem bewährten Schicht-Drück-Quetsch-Prinzip gelagert und entsprechend sahen vor allem die papierenen Kunstwerke aus.
Eines Tages kam ich von der Schule nach Hause. In meinem Zimmer erwartete mich eine unerwartete Überraschung: In der Mitte des Raumes lagerte ein Berg, auf den ersten Blick, aus Unrat – dessen Gipfel geschmückt von zwei leeren Schreibtischschubladen.

Meine Mutter hatte kurzen erzieherischen Prozess gemacht. Statt weiter zu ermahnen und zu bitten, konfrontierte sie mich sehr konkret mit Ihren Wertevorstellungen zum Thema Ordnung. Meine erste empörte Reaktion: „Wie kannst Du nur! Wie soll ich das jemals alles wieder dahinein bekommen!“. Psychologen heute würden sagen: „Was für eine Grenzüberschreitung!“, Pädagogen: „Das sollten Eltern aushalten. Solange bis das Kind ein intrinsisches Bedürfnis nach Ordnung verspürt.“ und die Philosophen: „ … “ Ja, alle haben ein bisschen Recht, aber so hat Erziehung vor 40 Jahren nicht funktioniert und darum geht es hier auch nicht.

Ich erhielt, wie damals üblich, meine erste Lektion in Sachen: Priorisierung, Loslassen, Kategorisierung, Übersichtlichkeit, etc. und es sollten noch weitere nach demselben schlichten Prinzip folgen.

Dieses erste Erlebnis als Kind hat mich nachhaltig geprägt:
Wenn ich nicht zumüllen und im Chaos versinken möchte, ist es meine Aufgabe beständig, aktiv für Ordnung zu sorgen.

Eine Lebensmaxime, die mich und meine Arbeit bis heute begleitet.
Sowohl in meinen Schubladen als auch in meinen Beziehungen.